Anlässlich der Festveranstaltung „222 Jahre Christian Doppler“, die am 27.11.2025 vom Christian-Doppler-Fonds in Kooperation mit dem Haus der Natur ausgerichtet wurde, hielt Mag. Dr. Ewald Hiebl, Historiker an der Universität Salzburg, einen Vortrag zum Thema „222 Jahre Christian Doppler – vom Leben eines weltberühmten Salzburgers“. Den Text seines Vortrags stellte er freundlicherweise zur weiteren Lektüre zur Verfügung.
222 Jahre Christian Doppler
vom Leben eines weltberühmten Salzburgers
Ewald Hiebl
Vortrag bei der Veranstaltung „222 Jahre Christian Doppler“ (Haus der Natur, Christian-Doppler-Fonds), Haus der Natur, 27.11.2025
Der Mediziner Alec Eden kam in den 1980er Jahren nach Salzburg, um über den Namensgeber der Doppler-Sonografie, mit der er täglich zu tun hatte, zu forschen. Und er wunderte sich darüber, dass dem weltweit bekannten Physiker in seiner Heimatstadt kein großes Denkmal und nicht einmal der Platz, an dem sein Elternhaus stand, gewidmet war. Ein großer Physiker, aber auch ein großer Unbekannter. Und Eden war verwirrt. Er las in durchaus renommierten Lexika, dass Doppler ein amerikanischer oder deutscher Physiker gewesen sei. Das konnte mittlerweile durch intensive Forschung korrigiert werden, dank Alec Eden, Peter Schuster, Helmut Grössing, Karl Kadletz, Ivan Stoll und Robert Hoffmann, um nur einige zu nennen. Nur die slowakische Wikipedia-Seite führt noch beharrlich einen falschen Namen an: Johann Christian Doppler.
Geburt und Schulzeit in Salzburg und Linz
Wir wissen aber: Übermorgen vor 222 Jahren wurde Christian Andreas Doppler im Haus der Familie am damaligen Hannibalplatz, heute Makartplatz 1, geboren, als drittes von fünf Kindern des Steinmetzmeisters Johann Evangelist Doppler und dessen Frau Theresia (geb. Seeleuthner). Mitglied einer stadtbürgerlichen Elite. Doppler ist noch im selbstständigen Salzburg geboren, nicht mehr unter der Herrschaft eines Erzbischofs, der im Februar abgedankt hatte, sondern des Kurfürsten Ferdinand I., dem Bruder des deutschen Kaisers Franz II. Doppler war also zur Geburt Salzburger und ein Bewohner des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Mit drei Jahren wurde er erstmals zum Österreicher, als Salzburg für kurze Zeit zu Österreich kam.
Von 1810 bis 1816, als Salzburg bayrisch besetzt war, besuchte Christian Doppler die Volksschule in Salzburg. Auf Grund seines zarten Körperbaus kam der Sohn einer Steinmetzfamilie für die Arbeit im väterlichen Betrieb nach der Volksschulzeit nicht in Frage. Den Betrieb übernahm sein Bruder. Christian musste einen anderen Lebensweg wählen. Um eine grundlegende Bildung und eine kaufmännische Berufsausbildung zu erhalten, besuchte er die dreijährige Hauptschule in Salzburg (1816 bis 1819) und ein zusätzliches viertes Jahr (1820/21) an der “Deutschen Normalschule” in Linz. Dank der Forschungen von Peter Schmid, Physiker und ehemaliger Präsident des Doppler-Fonds, wissen wir, dass die vierte Klasse dieser Schule damals zweijährig geführt wurde. Es ist zu vermuten, dass Doppler zwei Jahre in Linz war, von 1820 bis 1822. Beweisen können wir es bislang nicht. In den Archiven gibt es dazu keine Unterlagen.
Studien in Wien, Salzburg und erste Assistentenstelle
Auf Anraten des Mathematikers und Physikers Simon Stampfer, der damals am Salzburger Lyceum als Professor lehrte, studierte Christian Doppler nach Abschluss der „deutschen Normalschule“ am Polytechnischen Institut in Wien. Aus dem Polytechnischen Institut ging später die Technische Universität hervor. 1825 schloss Christian Doppler mit ausgezeichneten Noten ab. In Wien hatte Doppler vermutlich Kontakt mit Kreisen um Franz Schubert, wie Robert Hoffmann in seinen Studien zu Dopplers Zeit in Salzburg und Wien ausführt. Doppler verfasste nicht nur seine ersten wissenschaftlichen Publikationen, sondern war auch literarisch aktiv.
Um nach seinem Studium am Polytechnischen Institut an einer Universität studieren zu können, musste Doppler seine Matura nachholen. Dafür absolvierte er die verbleibenden sechs Semester des Obergymnasiums in Salzburg in der Hälfte der Zeit. Das anschließende Lyzeum, quasi das, was von der 1810 geschlossenen Salzburger Universität geblieben war, schloss er innerhalb der vorgesehenen zwei Jahre als bester von 37 Kandidaten ab. Nebenbei hatte er noch Englisch, Italienisch und Französisch gelernt.
Im Alter von 26 Jahren erhielt Doppler eine zeitlich begrenzte Anstellung als Assistent für Höhere Mathematik bei Adam Burg am Wiener Polytechnischen Institut. Burg kannte Doppler bereits aus Salzburg, da dieser am Lyzeum unterrichtet hatte, bevor er 1828 in Wien Professor wurde.
Buchhalter, Auswanderungspläne, Hochzeit
Doch Dopplers Lebenslauf war kein linearer, sondern von Brüchen geprägt. Er ähnelt mit häufig prekären und befristeten Dienstverhältnissen jenen, mit denen sich junge Wissenschafter:innen auch heute konfrontiert sehen. nach seiner Assistententätigkeit am Polytechnischen Institut arbeitete Christian Doppler für ein Jahr als Buchhalter in der Baumwollspinnerei von Josef Wechtl in Bruck an der Leitha. Da seine zahlreichen Bewerbungen in der gesamten Habsburgermonarchie und in anderen deutschsprachigen Gebieten Europas erfolglos blieben, plante er, in die USA auszuwandern. Damit wäre aus Doppler fast wirklich ein amerikanischer Physiker geworden.
Als die Auswanderungspläne konkret zu werden schienen, bekam Doppler jedoch gleich zwei berufliche Angebote: erstens als Professor für Mathematik und Physik in einem Gymnasium in Bern. Doppler sagte aber beim zweiten Angebot zu, der Stelle als Professor für Arithmetik, Algebra und Geometrie an der „ständischen Realschule“ in Prag.
Diese neue Stelle erlaubte Doppler auch einen wichtigen privaten Schritt. 1836 heiratet der 32-jährige Doppler in Salzburg die acht Jahre jüngere Salzburgerin Mathilde Sturm, Tochter eines angesehenen Gold- und Silberschmieds. Die nächsten elf Jahre lebte die Familie Doppler mit ihren insgesamt fünf Kindern in Prag. Es sollten die wissenschaftlich produktivsten Jahre Christian Dopplers werden.
Dopplers Jahre in Prag
1840 erfolgte die Aufnahme in die „königlich böhmische Gesellschaft der Wissenschaften“ (Akademie) auf Vorschlag des Theologen und Mathematikers Bernard Bolzano, mit dem er freundschaftlich verbunden war. Der gut 20 Jahre ältere Bolzano war Dopplers Mentor in Prag. Bolzano war eine wichtige Figur im Prag des Vormärz, der liberale Intellektuelle nahm im Nationalitätenstreit eine pro-böhmische Haltung ein. Ob und wie Doppler sich hier positionierte, wissen wir leider nicht. Nach seiner Berufung zum Professor für Mathematik und praktische Geometrie am Prager Polytechnischen Institut, aus dem später die Technische Universität Prag hervorgehen sollte, präsentierte Doppler vor den Vertretern der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften im Mai 1842 auch seine wohl wichtigste Publikation: „Über das farbige Licht der Doppelsterne und einiger anderer Gestirne des Himmels“. Darin legte er seine Theorie des Doppler-Effekts dar, dass sich die Wahrnehmung von bewegten Objekten verändert, die zunächst höchst umstritten war. Der junge niederländische Naturwissenschafter Christophorus Henricus Didericus Buys Ballot versuchte, Dopplers Theorie drei Jahre später, 1845, durch ein spektakuläres Experiment zu widerlegen. Er ließ Trompeter auf fahrenden Zügen zwischen Utrecht und Maarssen einen konstanten Ton spielen. Andere Musiker am Rande der Gleise sollten feststellen, dass sich der Ton nicht änderte. Doch sie stellten die Tonveränderung fest. Auch das umgekehrte Setting – stehende Musiker, fahrende Hörende – kam zum selben Ergebnis. Der akustische Dopplereffekt war bewiesen.
Berg- und Forstakademie zu Schemnitz, Akademie der Wissenschaften, Universität Wien
1847 verließ Christian Doppler mit seiner Familie Prag. Er erhielt eine Anstellung als Professor für Mathematik, Physik und Mechanik an der Berg- und Forstakademie zu Schemnitz (heute Banská Štiavnica) im Slowakischen Erzgebirge. Zugleich wurde er zum „kaiserlich-königlichen Bergrat“ ernannt.1848 wurde Doppler zum Mitglied der „Österreichischen Akademie der Wissenschaften“ in Wien gewählt und erhielt ein Ehrendoktorat für Philosophie der Karls-Universität Prag. Im selben Jahr endete auch Dopplers kurze Anstellung in Schemnitz. Die Revolution 1848 nahm in Ungarn stark nationale Züge, die Unruhen erfassten auch das damals ungarische Schemnitz. Die Bergakademie verlor die Studierenden aus der österreichischen Reichshälfte (wovon im übrigen die heutige Montanuniversität in Leoben profitierte). Und auch Doppler verließ 1848 Schemnitz und bewarb sich erfolgreich um die Stelle seines ehemaligen Lehrers Simon Stampfer als Professor für Geodäsie am Polytechnischen Institut in Wien.
Dopplers Karriere nahm weiter Fahrt auf. Nach der Errichtung eines physikalischen Instituts an der Universität Wien wurde Doppler zu dessen Direktor und zum ordentlichen Professor für Experimentalphysik an der philosophischen Fakultät ernannt. Damit erreichte Doppler den Höhepunkt seiner Karriere. Dennoch fielen auf diese Phase seines Lebens zwei Schatten. Der erste bestand in heftigen Anfeindungen durch Josef Petzval in Sitzungen der Akademie der Wissenschaften. Petzval war schon seit 1837 Professor für Mathematik an der Universität Wien. Er zweifelte an Dopplers wissenschaftlicher Begründung des Effektes und machte sich in sehr herablassender Art über ihn lustig. Ein so komplexes Phänomen könne unmöglich durch eine so einfache Formel ausgedrückt werden, lautete einer der Vorwürfe.
Dass sich Doppler nicht mehr ausreichend wehren konnte, hatte mit dem zweiten Schatten zu tun, der sich über sein Leben legte. Schon in der Prager Zeit war Dopplers Gesundheit angegriffen gewesen und er hatte immer wieder wegen Problemen mit der Lunge kurze Auszeiten nehmen müssen. Die Ursache des Leidens lag wahrscheinlich in der Steinmetzwerkstatt seines Vaters, in der er bis zu seinem 17. Lebensjahr mitgearbeitet hatte. Vermutlich hatte Doppler so – wie auch sein Vater und älterer Bruder zuvor – eine Staublunge entwickelt.
Tod in Venedig
Von der Meeresluft in Venedig hatte sich Doppler eine Linderung seiner Symptome erhofft. Und so reiste er im Herbst 1852 in die Lagunenstadt. Im Jänner 1853 vollendete er seine letzte wissenschaftliche Arbeit, bevor sich sein Gesundheitszustand noch weiter verschlechterte.
Der 49-jährige Christian Andreas Doppler starb am 17. März 1853 im Beisein seiner Frau Mathilde in Venedig. Wie berühmt der später so weltbewegend Unbekannte (so der Titel der Biografie von Peter Maria Schuster) zum Zeitpunkt seines Todes bereits war, zeigt sich in den großen Begräbnisfeierlichkeiten, der Berichterstattung in italienischen und österreichischen Zeitungen und der Tatsache, dass die venezianischen Physiker ihm schon ein halbes Jahr später auf dem Friedhof San Michele, auf dem Doppler begraben ist, eine Gedenktafel widmeten. In Salzburg erinnert seit 1903 eine von der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde an seinem Geburtshaus am Makartplatz angebrachte Tafel an den großen Sohn der Stadt, der zwischendurch allerdings auch gerne einmal vergessen wird. Das zu verhindern, trägt die Ausstellung im Haus der Natur und tragen auch die Aktivitäten des Doppler-Fonds bei.

